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07.09.16

Radtour Hamburg 1



Freitag, 02. September 2016
Edemissen - Hamburg/Oststeinbek
200 km


Morgen steht wieder ein MPS im Öjendorfer Park in Hamburg an. Ich habe mir einen Tag frei genommen und nutze die Gelegenheit zur Anreise mit dem Fahrrad. Der Wetterbericht sagt 20 Grad bei leichtem Südwestwind und Sonne-Wolken-Mix vorher, also optimal für mich. Als Route wähle ich die etwas weitere aber „idiotensichere“ Variante über Bundesstraßen, die auf der gesamten Strecke von Radwegen begleitet werden. Nur für das letzte Stück durch Hamburg will ich das Navi zu Hilfe nehmen. Da ich mein treues blaues Treckingrad knapp vor der 100.000-km-Marke wegen ständig neu hinzukommender Mängel ausgemustert habe, muss ich mich seit ein paar Tagen mit unserem Ersatzrad zufrieden geben. Ich hoffe, es lässt mich auf dieser langen Strecke nicht im Stich. 


Um 7.30 Uhr starte ich und fahre auf der B444 Richtung Wehnsen. Es ist schon relativ mild und sonnig. Dünne Jacke und kurze Hose reichen mir heute morgen um nicht zu frieren. Nebelschwaden hängen tief über den Feldern rechts und links meines Weges.


Hinter Eltze wechsele ich dann auf die B214. Die Sonne schimmert durch die Bäume und der Morgentau liegt auf den Spinnennetzen am Wegesrand, die jetzt wie kleine weiße Schirmchen zwischen den Pflanzen hervor schauen. Bei Bröckel verdunkelt sich der Himmel nach und nach, erst denke ich an Regenwolken aber die Sonne verschwindet hinter einer Nebelwand. Es wird immer diesiger und ungemütlicher.



In Celle überquere ich die Aller, die hinter einer Kurve aus dem Dunst auftaucht und gemächlich ihren Weg durch die Stadt fortsetzt.  


Hier komme ich auf die B3, der ich bis Buchholz i.d. Nordheide folgen werde. Der Nebel setzt sich auf das Laub der Bäume deren Äste weit über den Radweg ragen. Vereinzelt fallen dicke Tropfen auf meine Jacke, die mir inzwischen klamm am Körper klebt. Ich mache mir einen Spaß daraus, über am Boden liegende Eicheln zu fahren, die knackend zerbersten oder wie ein Katapult zur Seite schießen wenn sie im richtigen Winkel seitlich angeschnitten werden.


In den Haarspitzen meines Ponys sammeln sich Tropfen, die mir ab und an über das Gesicht laufen. Selbst auf meinen Knien hat sich ein zarter Pflaum aus Nebel um die sonst unsichtbaren Härchen  gelegt.


Nach etwa 2 Stunden klärt es sich so langsam wieder auf. Die Örtze in Wolthausen erscheint schon in einem etwas freundlicherem Licht und kurz vor Bergen schimmert dann die Sonne wieder zwischen den Bäumen hervor.   



Ich durchfahre Bergen und halte am Stadtrand bei einem Edeka um mir in der Bäckerei etwas Proviant zu besorgen. Nach 60 km mache ich hier an einem sonnigen Hang am Rande des Einkaufszentrums  eine kleine Pause. Nachdem der Nebel sich verzogen hat ist es wieder schön warm und ich kann sogar auf dem Rasen sitzen.


Meine Jacke ist schnell getrocknet und verschwindet in der Packtasche. Frisch gestärkt und aufgewärmt setze ich kurze Zeit später meine Fahrt fort. Die Landschaft  erscheint wieder ein einem freundlichem Licht. Gelbe Sonnenblumen und gelbgrüne Büsche strahlen von einem Feld am Wegesrand zu mir herüber. 


Mein Radweg führt schnurgerade an der Straße entlang, ich brauche keine Angst haben, mich zu verfahren und kann die Natur um mich herum genießen. Der Autolärm stört nur wenig.


In Soltau muss ich doch etwas aufpassen, ich biege links ab und fahre ein Stück über die B71 um dann wieder rechts auf die B3 Richtung Hamburg zu kommen. Ich schaue auf meine Notizen und halte mich an die Hinweisschilder für die Autos. Vorsichtshalber vergleiche ich nochmal die Straßennamen auf meinem Notizzettel: Von der Celler- über die Wilhelm- auf die Poststraße, die im weiteren Verlauf zur Harburger Straße wird. Alles richtig gemacht.


Einige Kilometer weiter in der Ortschaft Heber führt eine Umgehungsstraße zu einem neuen Teilstück der B3 nach Bispingen, ich muss hier geradeaus weiter über die alte, inzwischen stillgelegte Bundesstraße um kurze Zeit später wieder auf den Radweg der B3 Richtung Hamburg zu kommen. In umgekehrter Richtung muss man hier besonders aufpassen, um nicht versehentlich in die falsche Richtung zu fahren.Mein Weg führt mich fast ausschließlich durch Waldgebiete, hohe Bäume säumen Straßen und Radwege. Irgendwo auf Höhe von Schneverdingen lichtet sich der Wald und für ein kurzes Stück kommt eine wunderschöne typische Heidelandschaft zum Vorschein. Mitte August bis Anfang September ist Blütezeit des charakteristischen Gewächses der Lüneburger Heide. Ich halte kurz an und genieße den Anblick, der leider viel zu schnell wieder vorbei ist.



Der größte Teil des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide besteht aus Wäldern, die Sicht auf weitere Heideflächen bleibt mir auf meinem Weg über die Bundesstraße verborgen.



Kurz vor Abfahrt auf die B75 bei Sprötze/Trelde halte ich nochmal an und esse was. Ich bin jetzt 120 km unterwegs und es läuft gut. Ich komme mit dem leichten Rücken- bzw. Seitenwind gut voran. Das Fahrrad und ich sind noch keine Freunde, es ist etwas zu groß, das Anfahren strengt an weil ich wegen der Stange nicht richtig Schwung holen kann. Die für mich ungewohnte Kettenschaltung hakt manchmal und die Stromzufuhr über Nabendynamo und Lampe ist für mein Navi nicht ausreichend. Für ein Ersatzrad ist es aber sonst durchaus akzeptabel und bequem. 


Ich folge der B75 bis zum Kreisel bei Dibbersen. Hier ist die Umgehung zur Bundesstraße für Fahrräder nicht befahrbar, es geht ein Stück geradeaus, dann hinter der Aral-Tankstelle rechts auf die Harburger Straße, die im weiteren Verlauf wieder zur B75 wird. Ich fahre durch einige kleinere Ortschaften. Hinter Tötensen – einen Abstecher zu Dieter Bohlens Villa spare ich mir mangels Interesse – verlasse ich Niedersachsen und überfahre die Landesgrenze zu Hamburg.

Mein fiktives Ziel ist die Brutzelhütte auf der Bremer Straße in Harburg, bis hierher bin ich ausschließlich nach meinen Notizen gefahren, was aufgrund meiner gewählten Route kein Kunststück war. Jetzt schalte ich das Navi ein, es soll mich durch die Großstadt bis zu meinem Treffpunkt in Oststeinbek führen. Ich werde umgehend von der Bremer Straße weg geleitet und fahre durch einen Schrebergarten. 


Dann überquere ich die Bundesstraße noch einmal und fahre im Zickzack durch ein Gewirr von kleinen Straßen bis zur einer riesigen Kreuzung am Harburger Bahnhof. Es wird immer unruhiger, ich bin nicht mehr allein auf dem Radweg und muss aufpassen, mit niemanden zusammen zu stoßen.

Ich begleite erst die Bahn ein Stück, dann die A 253 bis ich vor der alten Harburger Elbbrücke stehe. Die damals für Straßenfahrzeuge gebaute 474 m lange Stahlbogenbrücke war die erste Straßenbrücke über die Süderelbe und dient heute nur Fußgängern und Radfahrern. Die aus Sandstein errichteten Portale sollen mit den Wilhelmsburger und Harburger Wappen an die Stadttore erinnern.


Ich nehme mir etwas Zeit und werfe einen Blick auf die gewaltige Süderelbe mit den Seehafenanlagen.




Dann komme ich auf die Georg-Wilhelm-Straße, die schnurgerade durch den Stadtteil Wilhelmsburg führt und die ich auf einer früheren Fahrt durch Hamburg schon kennengelernt habe. Neben den großen Straßen gibt es aber auch immer wieder verkehrsberuhigte Wege durch Parks oder durch Schrebergartenanlagen. 


Neben der Bundesstraße überquere ich die Norderelbe und bin gar nicht weit weg von der Hamburger Hafencity. 



Es ist erst 17 Uhr, ich überlege, ob ich noch eine kleine Stadtrundfahrt unternehme, entscheide mich aber doch dagegen. Ich fahre weiter durch ein hässliches Industriegebiet  in Billbrook. Im Kontrast dazu taucht wieder eine der zahlreichen Brücken auf und gibt den Blick auf die Bille frei, die sich seicht durch ein wunderschönes zugewachsenes Stück Natur schlängelt.


Ein weiteres Mal überquere ich die Bille, am gegenüberliegenden Ufer sind die Häuschen einer Kleingartenanlage mit einem Bootsanleger zu sehen, sehr idyllisch – und das alles mitten in der Großstadt.


In Billstedt fahre ich wieder durch eine verkehrsfreie Parkanlage, überquere die Glinder Straße und komme direkt auf den Öjendorfer Park zu. Es ist 17.30 Uhr, nach 165 km bin ich am Ziel und stehe auf dem großen Realkauf-Parkplatz wo ich mich mit Peter treffen will. Ich erfahre, dass er jetzt erst aus Edemissen losfährt und habe noch ausreichend Zeit, mir die Gegend anzuschauen. Ich fahre um den Öjendorfer See und staune über die Größe des Parkgeländes. Im Park am Ostufer stehen überall schon die mittelalterlichen Zelte der Wegelagerer und die Marktstände. Auch das weitere Umfeld ist interessant und neu für mich.


Ich bin noch gut drauf, auf der gesamten Tour gab es weder heftigen Gegenwind noch Berge und ich merke gar nicht, wie die Kilometer dahinfliegen. Am Ende des Tages, als Peter mit dem Womo ankommt, habe ich 200 km auf dem Tacho. 




28.08.16

Radtour Fallersleben

Samstag, 27. August 2016
Edemissen - Fallersleben - Edemissen
88 km




Für unsere heutige Radtour haben wir uns das Altstadtfest in Fallersleben als Ziel ausgesucht. Ich habe nichts vorbereitet, mal sehen, was Naviki uns vorschlägt. Es ist sonnig und ziemlich heiß, weit über 30 Grad bei leichtem Nordostwind.


Wir fahren über Klein Blumenhagen und den Wipshausener Heidkrugsweg auf die B214 bis zur Abfahrt Didderse. Nach der Ortsdurchfahrt biegen wir rechts ab auf einen schönen befestigten Feldweg und passieren die Ortschaften Adenbüttel und Rethen. 


Weiter geht’s auf einem Radweg an der Straße nach Meine, bis Ohnhorst fahren wir dann wieder verkehrsberuhigt auf einem schönen Feldweg. Anschließend kommt nochmal ein Radweg an der Straße bis Wasbüttel. Der leichte Gegenwind stört nicht weiter und sorgt für etwas Kühlung während der Fahrt.


Neben Wohngebieten mit neuen modernen Häusern kommen wir in den kleinen Ortschaften an vielen älteren Gebäuden sowie schönen Bauernhöfen vorbei, wie hier in Wasbüttel.


Nach dem Überqueren des Elbe-Seiten-Kanals und des Mittellandkanals bei Calberlah fahren wir an der Straße entlang bis nach Sülfeld. Auf dem letzten Stück schickt Naviki uns durch die Auewiesen eines kleinen Baches, der Mühlenriede. Es ist ein sehr schöner befestigter Weg durch die Natur bis vor die Tore Fallerslebens. 




Auf dem Altstadtfest ist jetzt in der Mittagszeit ist noch nicht viel los, wir können die Räder mitnehmen und zwischen den Buden hindurchschieben. Peter genehmigt sich ein kühles Bier, dann gibts noch ein Fischbrötchen und Eis. Eine traditionelle Band aus den Anden beschallt uns mit fremdländischer Musik.


Es ist sehr heiß, die wenigen Schattenplätze sind begehrt. Nach der kleinen Pause treten wir den Rückweg an. Wir fahren durch den Park am alten Brauhaus zu Fallersleben vorbei und auf gleicher Strecke bis nach Calberlah


Calberlah verlassen wir über die Bahnhofstraße in nördlicher Richtung, unterqueren den Elbe-Seiten-Kanal und fahren auf einem Radweg an der Straße entlang bis in das Industriegebiet von Isenbüttel. Hier machen wir noch einmal eine Pause und statten einem Kollegen von Peter in seinem neu gebauten Garagenkomplex einen Besuch ab. Wir fahren ohne Navi weiter, Peter kennt sich gut aus und führt uns durch den schattigen Gifhorner Stadtteil Winkel bis nach Ribbesbüttel.


Ab hier ist auch mir der Weg gut bekannt, er liegt auf der Strecke EdemissenVorsfelde, von mir schon sehr oft befahren. In Ribbesbüttel führt ein befestigter Feldweg durch die Wiesen nach Vollbüttel. 


Nicht immer sind wir mit Schatten gesegnet, es ist noch sehr heiß. Auf dem Rückweg haben wir den Wind überwiegend von hinten aber dafür werden wir frontal von der Sonne geblendet, ich kneife die Augen zusammen, was später unschöne weiße Falten um die Augen zur Folge hat.

Ab Vollbüttel kommen wir dann nochmal auf einen gut geschotterten Feldweg, einige Ziegen meckern uns beim Vorbeifahren an. 


Hier ist es wieder ungeschützt sonnig, bis der Weg ein Waldstück säumt, wir sind dankbar über die kurze schattige Passage. Ab Leiferde geht’s auf einem schönen neuen Radweg nach Volkse, dann durch die Feldmark über groben unebenen Schotter bis zur B214, die wir an der Abfahrt Rietze wieder verlassen.  


Das letzte Stück fahren wir durch Rietze, Alvesse und Klein Blumenhagen nach Edemissen. Zu Hause angekommen, fallen wir erschöpft in die Liegestühle. Ich freue mich eigentlich immer über schönes, sonniges Wetter, doch die Hitze hat uns ganz schön geschlaucht. Die gefahrenen 88 km kamen uns gefühlt viel weiter vor.







21.08.16

2-Tagestour Seeburg




2-Tagestour Süsser See, Seeburg
18. - 19. August 2016
361 km







Donnerstag, 18. August 2016
Edemissen – Seeburg
181 km

Das Wetter verspricht schön zu werden, ich habe 2 Tage frei und möchte mal wieder richtig Strecke machen. Aufgrund der günstigen Windrichtung suche ich mir als Ziel den Campingplatz am Süßen See in Seeburg, zwischen Eisleben und Halle(Saale) in Sachsen-Anhalt, aus. 

Ich starte früh um 05.30 Uhr. Es ist noch ziemlich frisch, ich ziehe den Reißverschluss meiner leichten Jacke ganz zu. In der Morgendämmerung liegt der Nebel über den Wiesen vor Alvesse.


Ich liebe diese Fahrten am frühen Morgen wenn der Tag noch vor einem liegt und es langsam immer heller wird. Bei Watenbüttel geht die Sonne auf und schickt ihre Strahlen über die Felder zu mir herüber, ich bin immer noch am frösteln und hoffe auf etwas mehr Wärme.
 

In Braunschweig führt mich Naviki  auf einem schönen Radweg durch das Westliche Ringgebiet, Gartenstadt, Rüningen und Stöckheim. Auf einem schönen befestigten Feldweg fahre ich Richtung Wolfenbüttel, von weitem sehe ich über die Felder die parallel verlaufende Autobahn. 



Ich passiere das Wolfenbütteler Schloss und komme kurz darauf  auf einen wunderschönen Weg, der durch die Okeraue führt.



Kurze Zeit später bekomme ich auf der B79 die ersten Hügel zu spüren, ich fahre ich durch die Asse, ein bewaldeter Höhenzug ostsüdöstlich von Wolfenbüttel. Überregional bekannt durch die Schachtanlage, ein ehemaliges Salzbergwerk, das seit 1965 als Forschungsbergwerk betrieben wird und in dem zwischen 1967 und 1978 die Endlagerung radioaktiver Abfälle praktiziert wurde.



Hinter dem Hügel lasse ich mich entspannt runterrollen, vor mir liegen die Höhenzüge des Harzes. Bei Mattierzoll komme ich an die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Das Erinnerungsschild, eine rekonstruierte Grenzanlage und der DDR Grenzturm weisen auf die innerdeutsche Teilung hin.



Direkt hinter der Grenze endet der glatte Radweg und mein Fahrrad holpert über teilweise zugewachsene oder schadhafte DDR-Plattenwege. Ich achte konzentriert darauf, nicht in eines der vielen Löcher mit den Stahlringen zu fahren. 



Eine ganze Weile geht es über weite Felder, die Qualität der Wege ist nur selten gut, meistens werde ich beim Fahren ordentlich durchgeschüttelt. 



Am schlimmsten ist es in den kleinen Ortschaften, die ich passiere. Der Dorfkern besteht fast immer aus  dem übelsten Kopfsteinpflaster.  


Dafür gibt die Natur so einiges an Essbarem her. Unterwegs ernte ich leckere, süße Pflaumen, die Bäume hängen voll davon. Ich muss aufpassen, in den meisten Früchten steckt ein Wurm, sonst hätte ich meine Taschen noch ordentlich voll gemacht. Nachdem ich mich satt gegessen habe, setze ich meine holperige und bergige Fahrt fort.



Der Straßenbelag auf den Nebenstrecken lässt zu wünschen übrig, ich muss einem Schlagloch nach dem anderen ausweichen, das gelingt nicht immer. Die Landschaft ist aber wunderschön, das Wetter spielt mit und ich habe überwiegend Rückenwind.



Hinter dem Ort Wilhelmshall führt Naviki mich einen Wald, dem Huy (Hüh, von altdeutsch für Höhe). Wie der Name sagt, geht’s bergauf. Der Weg ist eher ein Wanderweg, nicht besonders eben, dafür angenehm schattig. Hinter jeder Kurve hoffe ich, oben zu sein aber es geht in Sperpentienen immer weiter bergauf. Das letzte Stück muss ich schieben, mein Hinterrad dreht  schon durch. 



Die Abfahrt ist auch nicht so spaßig, der Weg ist hier noch schlechter und teilweise mit tiefen Furchen durchzogen. Als ich endlich aus dem Wald komme und auf einem guten Weg hinunter in die Ortschaft Sargstedt rolle, atme ich auf und nehme mir vor, den Huy auf dem Rückweg zu umfahren.



Ich komme durch verschlafene kleine Ortschaften, holpere über viel Kopfsteinpflaster, was mir so langsam auf die Nerven geht. Die Landschaft um mich herum ist wunderschön, die Sonne scheint von einem fast wolkenlosen blauen Himmel.





Nach etwa 130 km mache ich an einem romantischen Platz bei Reinstedt meine Pause. Das Wasser des Mühlgrabens plätschert vor sich hin, während ich mein Käsebrot mit Bifi mit Bifi verputze. 50 km liegen noch vor mir, ich hoffe auf etwas bessere und ebenere Wege.


Dann liegt eine schöne glatte Straße vor mir, ich freue mich auf die Weiterfahrt. Kurz darauf schickt Naviki mich nach rechts auf einen üblen Schotterweg den Berg hinauf. 


Ich kämpfe mit der Schwerkraft, muss hin und wieder schieben und verfluche diese Routenplanung als der Weg in einem zugewachsenen Pfad endet. 


Als ich im nächsten Ort wieder auf einem Schotterweg den Berg hinauf geschickt werden soll, kapituliere ich, schalte das Navi aus und krame meine Straßenkarte aus dem Gepäck. 
Auf dem kleinen Handydisplay hat man keinen Gesamtüberblick, ich frage mich durch und erfahre, dass ich mich in Welbsleben befinde. Ich wähle die Straße nach Quenstedt und fahre ab hier auf die B180 bis nach Eisleben. Der Straßenbelag ist gut, allerdings gibt es keinen Radweg und die Berge bleiben mir nicht erspart. 



Ich fahre ganz weit rechts, die Autos rauschen an mir vorbei, aber nehmen Rücksicht, bremsen weit hinter mir ab oder überholen im großen Bogen. Die Berge sind anstrengend, ich gebe alles um nicht absteigen und schieben zu müssen, meine Beine brennen. Bei den Abfahrten kann ich mich zwar etwas erholen, muss aber stets aufpassen um nicht ins trudeln zu kommen. Schneller als 45 km/h traue ich mich nicht, dafür ist hier zu viel Verkehr.

Ich bin froh, als ich endlich an der Abfahrt Eisleben die Bundesstraße wieder verlassen kann. In der Stadt schalte ich dann nochmal das Navi ein und fahre die verbleibenden 12 km bis Seeburg auf einer schönen ruhigen Nebenstrecke durch die Natur. Hinter Wormsleben komme ich endlich an den „Süßen See“. 


Es geht noch ein ganzes Stück am Ufer entlang bis ich um 17.30 Uhr nach 12 Stunden Fahrt abgekämpft den Campingplatz Seeburg erreiche. Ich checke ein und darf mir für 10,50 € incl. Duschmarke einen Platz auf der Zeltwiese aussuchen. Nach dem Zeltaufbau spüle ich mir unter der Dusche den Schweiß und Staub von der langen Fahrt ab.


Auf der Veranda der Rezeption unweit meines Zeltes finde ich einen gemütlichen Sitzplatz mit Steckdose und kann mein Handy aufladen, die Powerbank habe ich zuhause vergessen. Ich genieße die Entspannung, esse in Ruhe Abendbrot und stelle mir mit Hilfe der Landkarte eine Route für den morgigen Rückweg zusammen. 


Dann schaue ich mich noch etwas auf dem Campingplatz um und krieche in der Abenddämmerung erschöpft in mein Zelt.








Freitag, 19. August 2016
SeeburgEdemissen
180 km

Mein Wecker klingelt um 6 Uhr, ich habe gut geschlafen. Noch im Zelt rolle ich meinen Schlafsack und die Isomatte zusammen und verstaue alles in den Packtaschen. Mit meinem Tauchsieder koche ich mir auf der Veranda heißes Wasser für den Kaffee und frühstücke erst einmal. Heute morgen ist es erheblich wärmer als gestern, in der Nacht habe ich den Schlafsack nur als Decke benutzt.

Dann baue ich das Zelt ab und packe alles auf das Fahrrad. Um 7.30 Uhr mache ich mich auf den Weg. Ich folge meinen Notizen, die ich mir gestern gemacht habe, denn heute möchte ich das Navi nur im Notfall einschalten um mir die vielen Holperstrecken und Schotterwege zu ersparen. Lieber nehme ich den Autoverkehr in Kauf. Erst geht es am See zurück und auf gleicher Strecke wie gestern bis nach Eisleben. 



Hier schaue ich mich etwas in der Stadt um. Eisleben ist bekannt als Geburts- und Sterbeort Martin Luthers. Zu Ehren des größten Sohnes der Stadt führt sie seit 1946 den Beinamen „Lutherstadt“.


Dann möchte ich weiter über Siersleben nach Hettstedt. Zu allem Ärger versagt mein Handy, es ist mal wieder nicht in der Lage, den GPS-Satelliten zu finden und ich muss mich durchfragen. Nach einigen Auskünften nehme ich Kurs auf die B180. Kurz vor dem Hinweisschild ist dann auch das Navi bereit und wird gleich wieder ausgeschaltet, jetzt will ich auch nicht mehr. Ich bin also wieder auf der radweglosen Bundesstraße. Inzwischen weiß ich, was mich erwartet. Berge – und Verkehr! Packen wir es an.


Meine Beine funktionieren nach der gestrigen Belastung wieder gut, ich wuchte mein schweres Rad die Steigungen hinauf und lasse mich anschließend wieder herunter rollen.  Es ist warm, der Schweiß läuft mir in die Augen aber ich kann hier auf keinen Fall anhalten. Ich fahre monoton vor mich hin, zähle die Umdrehungen bei den Auffahrten und konzentriere  mich, bei den Abfahrten die Spur zu halten. Hettstedt umfahre ich und bei Quenstedt kann ich das Kapitel  B180 dann zum Glück unbeschadet  abhaken. 

Auf Landstraßen mit deutlich weniger Verkehr geht es weiter über Ermsleben, Reinstedt, Nachterstedt, Gatersleben und Hausneindorf mit seiner großen Burg. 



Selten darf ich mich über einen Radweg freuen, der aber meist nach wenigen Kilometern wieder endet. Bordsteinabsenkungen für einen glatten Übergang sind Mangelware, seit gestern reagiere ich auf holperige Hindernisse empfindlich. Trotzdem ist für mich die heutige Strecke angenehmer zu fahren, wenn sie auch nicht weniger bergig und anstrengend ist.
Vielleicht macht es auch die Abwechslung oder die Tatsache, nicht zu wissen, was einen auf der Strecke noch erwartet.

Unterwegs erfreue ich mich über leckere Äpfel und Birnen, zahlreiche Obstbäume säumen die Straßen.


Die Landstraßen durch die Felder ähneln sich, führen mal mehr und mal weniger steil bergauf und bergab. Da ich hier nicht durch Schotter oder Kopfsteinpflaster ausgebremst werde, komme ich trotzdem gut voran. Ich folge weiter meinen Aufzeichnungen, fahre durch Hedersleben und Rodersdorf.


Kurz vor Wegeleben überquere ich die Bode, der Fluss fließt im Sonnenschein gemächlich vor sich hin. 



In Harsleben komme ich auf die B79, die hier auch über einen Radweg verfügt und kurze Zeit später bin ich in Halberstadt. Halberstadt ist die Kreisstadt des Landkreises Harz und liegt im nördlichen Harzvorland. Die Innenstadt ist am 8. April 1945 durch einen Luftangriff zu mehr als 80 % zerstört worden. Sie wurde über Jahrzehnte wieder oder neu aufgebaut.


In der Fußgängerzone komme ich direkt auf die Martinikirche mit den ungleichen Türmen zu. Inzwischen ist es Mittag durch, ich schiebe ein Stück weiter und finde auf den Treppenstufen der Liebfrauenkirche ein halbschattiges Plätzchen um mein unterwegs gekauftes Mettbrötchen zu essen. Vor mir steht auf der anderen Straßenseite der Dom St.Stephanus und St. Sixtus. Er ist eine der bedeutendsten gotischen Kathedralen Deutschlands.



Nach meiner Pause fahre ich wieder auf die B79, die mich bis nach Braunschweig bringen soll. Die Landschaft ist genauso schön wie gestern, zu meiner Linken  sehe ich in einiger Entfernung die Erhebungen des Harzes, der Brocken ist deutlich zu erkennen. Der Harz, bis ins Mittelalter Hart (Bergwald) genannt, ist ein Mittelgebirge in Deutschland. Er stellt das höchste Gebirge Norddeutschlands dar und liegt am Schnittpunkt von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. 


Der größte Teil meiner Tour führt durch das Harzvorland, das es hier noch so bergig ist, war mir bei der Planung nicht ganz bewusst. 


Die Orte Aspenstedt, Arthenstedt, Dardelsheim und Hessen folgen. Dann stehe ich wieder vor dem denkmalgeschützten DDR-Grenzturm auf dem Hessendamm, einem Teilstück der B79 und bin wenige Radumdrehungen später in Niedersachsen. 


Hier gibt es dann auch wieder einen Radweg. Bergig ist es noch bis hinter Wolfenbüttel – war das auf dem Hinweg auch schon so?


Ich schalte das Navi wieder ein, die Gefahr von Holperpisten oder sonstigen unwegsamen Pfaden ist relativ gering. Kurz vor  Braunschweig führt mein Weg durch den Park von Melverode an der Oker entlang in den Kennel. Bevor ich die letzten 30 Kilometer angehe, mache ich auf einer romantischen Bank am See in der Nähe des Kennelbades die letzte Rast. 



Dann setze ich meinen Weg über Watenbüttel an der B214 bis nach Hause fort. Auf diesem anspruchsvollen Kurztrip bin ich auch aufgrund der hohen Kilometerzahl an meine Grenzen gegangen. Hin- und Rückweg konnten unterschiedlicher nicht sein, beide Strecken haben ihre Vor- und Nachteile. Bei super Wetter konnte ich meine Fitness etwas aufbessern, neue Erfahrungen sammeln und eine wunderschöne Landschaft kennen lernen.