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21.08.16

2-Tagestour Seeburg




2-Tagestour Süsser See, Seeburg
18. - 19. August 2016
361 km







Donnerstag, 18. August 2016
Edemissen – Seeburg
181 km

Das Wetter verspricht schön zu werden, ich habe 2 Tage frei und möchte mal wieder richtig Strecke machen. Aufgrund der günstigen Windrichtung suche ich mir als Ziel den Campingplatz am Süßen See in Seeburg, zwischen Eisleben und Halle(Saale) in Sachsen-Anhalt, aus. 

Ich starte früh um 05.30 Uhr. Es ist noch ziemlich frisch, ich ziehe den Reißverschluss meiner leichten Jacke ganz zu. In der Morgendämmerung liegt der Nebel über den Wiesen vor Alvesse.


Ich liebe diese Fahrten am frühen Morgen wenn der Tag noch vor einem liegt und es langsam immer heller wird. Bei Watenbüttel geht die Sonne auf und schickt ihre Strahlen über die Felder zu mir herüber, ich bin immer noch am frösteln und hoffe auf etwas mehr Wärme.
 

In Braunschweig führt mich Naviki  auf einem schönen Radweg durch das Westliche Ringgebiet, Gartenstadt, Rüningen und Stöckheim. Auf einem schönen befestigten Feldweg fahre ich Richtung Wolfenbüttel, von weitem sehe ich über die Felder die parallel verlaufende Autobahn. 



Ich passiere das Wolfenbütteler Schloss und komme kurz darauf  auf einen wunderschönen Weg, der durch die Okeraue führt.



Kurze Zeit später bekomme ich auf der B79 die ersten Hügel zu spüren, ich fahre ich durch die Asse, ein bewaldeter Höhenzug ostsüdöstlich von Wolfenbüttel. Überregional bekannt durch die Schachtanlage, ein ehemaliges Salzbergwerk, das seit 1965 als Forschungsbergwerk betrieben wird und in dem zwischen 1967 und 1978 die Endlagerung radioaktiver Abfälle praktiziert wurde.



Hinter dem Hügel lasse ich mich entspannt runterrollen, vor mir liegen die Höhenzüge des Harzes. Bei Mattierzoll komme ich an die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Das Erinnerungsschild, eine rekonstruierte Grenzanlage und der DDR Grenzturm weisen auf die innerdeutsche Teilung hin.



Direkt hinter der Grenze endet der glatte Radweg und mein Fahrrad holpert über teilweise zugewachsene oder schadhafte DDR-Plattenwege. Ich achte konzentriert darauf, nicht in eines der vielen Löcher mit den Stahlringen zu fahren. 



Eine ganze Weile geht es über weite Felder, die Qualität der Wege ist nur selten gut, meistens werde ich beim Fahren ordentlich durchgeschüttelt. 



Am schlimmsten ist es in den kleinen Ortschaften, die ich passiere. Der Dorfkern besteht fast immer aus  dem übelsten Kopfsteinpflaster.  


Dafür gibt die Natur so einiges an Essbarem her. Unterwegs ernte ich leckere, süße Pflaumen, die Bäume hängen voll davon. Ich muss aufpassen, in den meisten Früchten steckt ein Wurm, sonst hätte ich meine Taschen noch ordentlich voll gemacht. Nachdem ich mich satt gegessen habe, setze ich meine holperige und bergige Fahrt fort.



Der Straßenbelag auf den Nebenstrecken lässt zu wünschen übrig, ich muss einem Schlagloch nach dem anderen ausweichen, das gelingt nicht immer. Die Landschaft ist aber wunderschön, das Wetter spielt mit und ich habe überwiegend Rückenwind.



Hinter dem Ort Wilhelmshall führt Naviki mich einen Wald, dem Huy (Hüh, von altdeutsch für Höhe). Wie der Name sagt, geht’s bergauf. Der Weg ist eher ein Wanderweg, nicht besonders eben, dafür angenehm schattig. Hinter jeder Kurve hoffe ich, oben zu sein aber es geht in Sperpentienen immer weiter bergauf. Das letzte Stück muss ich schieben, mein Hinterrad dreht  schon durch. 



Die Abfahrt ist auch nicht so spaßig, der Weg ist hier noch schlechter und teilweise mit tiefen Furchen durchzogen. Als ich endlich aus dem Wald komme und auf einem guten Weg hinunter in die Ortschaft Sargstedt rolle, atme ich auf und nehme mir vor, den Huy auf dem Rückweg zu umfahren.



Ich komme durch verschlafene kleine Ortschaften, holpere über viel Kopfsteinpflaster, was mir so langsam auf die Nerven geht. Die Landschaft um mich herum ist wunderschön, die Sonne scheint von einem fast wolkenlosen blauen Himmel.





Nach etwa 130 km mache ich an einem romantischen Platz bei Reinstedt meine Pause. Das Wasser des Mühlgrabens plätschert vor sich hin, während ich mein Käsebrot mit Bifi mit Bifi verputze. 50 km liegen noch vor mir, ich hoffe auf etwas bessere und ebenere Wege.


Dann liegt eine schöne glatte Straße vor mir, ich freue mich auf die Weiterfahrt. Kurz darauf schickt Naviki mich nach rechts auf einen üblen Schotterweg den Berg hinauf. 


Ich kämpfe mit der Schwerkraft, muss hin und wieder schieben und verfluche diese Routenplanung als der Weg in einem zugewachsenen Pfad endet. 


Als ich im nächsten Ort wieder auf einem Schotterweg den Berg hinauf geschickt werden soll, kapituliere ich, schalte das Navi aus und krame meine Straßenkarte aus dem Gepäck. 
Auf dem kleinen Handydisplay hat man keinen Gesamtüberblick, ich frage mich durch und erfahre, dass ich mich in Welbsleben befinde. Ich wähle die Straße nach Quenstedt und fahre ab hier auf die B180 bis nach Eisleben. Der Straßenbelag ist gut, allerdings gibt es keinen Radweg und die Berge bleiben mir nicht erspart. 



Ich fahre ganz weit rechts, die Autos rauschen an mir vorbei, aber nehmen Rücksicht, bremsen weit hinter mir ab oder überholen im großen Bogen. Die Berge sind anstrengend, ich gebe alles um nicht absteigen und schieben zu müssen, meine Beine brennen. Bei den Abfahrten kann ich mich zwar etwas erholen, muss aber stets aufpassen um nicht ins trudeln zu kommen. Schneller als 45 km/h traue ich mich nicht, dafür ist hier zu viel Verkehr.

Ich bin froh, als ich endlich an der Abfahrt Eisleben die Bundesstraße wieder verlassen kann. In der Stadt schalte ich dann nochmal das Navi ein und fahre die verbleibenden 12 km bis Seeburg auf einer schönen ruhigen Nebenstrecke durch die Natur. Hinter Wormsleben komme ich endlich an den „Süßen See“. 


Es geht noch ein ganzes Stück am Ufer entlang bis ich um 17.30 Uhr nach 12 Stunden Fahrt abgekämpft den Campingplatz Seeburg erreiche. Ich checke ein und darf mir für 10,50 € incl. Duschmarke einen Platz auf der Zeltwiese aussuchen. Nach dem Zeltaufbau spüle ich mir unter der Dusche den Schweiß und Staub von der langen Fahrt ab.


Auf der Veranda der Rezeption unweit meines Zeltes finde ich einen gemütlichen Sitzplatz mit Steckdose und kann mein Handy aufladen, die Powerbank habe ich zuhause vergessen. Ich genieße die Entspannung, esse in Ruhe Abendbrot und stelle mir mit Hilfe der Landkarte eine Route für den morgigen Rückweg zusammen. 


Dann schaue ich mich noch etwas auf dem Campingplatz um und krieche in der Abenddämmerung erschöpft in mein Zelt.








Freitag, 19. August 2016
SeeburgEdemissen
180 km

Mein Wecker klingelt um 6 Uhr, ich habe gut geschlafen. Noch im Zelt rolle ich meinen Schlafsack und die Isomatte zusammen und verstaue alles in den Packtaschen. Mit meinem Tauchsieder koche ich mir auf der Veranda heißes Wasser für den Kaffee und frühstücke erst einmal. Heute morgen ist es erheblich wärmer als gestern, in der Nacht habe ich den Schlafsack nur als Decke benutzt.

Dann baue ich das Zelt ab und packe alles auf das Fahrrad. Um 7.30 Uhr mache ich mich auf den Weg. Ich folge meinen Notizen, die ich mir gestern gemacht habe, denn heute möchte ich das Navi nur im Notfall einschalten um mir die vielen Holperstrecken und Schotterwege zu ersparen. Lieber nehme ich den Autoverkehr in Kauf. Erst geht es am See zurück und auf gleicher Strecke wie gestern bis nach Eisleben. 



Hier schaue ich mich etwas in der Stadt um. Eisleben ist bekannt als Geburts- und Sterbeort Martin Luthers. Zu Ehren des größten Sohnes der Stadt führt sie seit 1946 den Beinamen „Lutherstadt“.


Dann möchte ich weiter über Siersleben nach Hettstedt. Zu allem Ärger versagt mein Handy, es ist mal wieder nicht in der Lage, den GPS-Satelliten zu finden und ich muss mich durchfragen. Nach einigen Auskünften nehme ich Kurs auf die B180. Kurz vor dem Hinweisschild ist dann auch das Navi bereit und wird gleich wieder ausgeschaltet, jetzt will ich auch nicht mehr. Ich bin also wieder auf der radweglosen Bundesstraße. Inzwischen weiß ich, was mich erwartet. Berge – und Verkehr! Packen wir es an.


Meine Beine funktionieren nach der gestrigen Belastung wieder gut, ich wuchte mein schweres Rad die Steigungen hinauf und lasse mich anschließend wieder herunter rollen.  Es ist warm, der Schweiß läuft mir in die Augen aber ich kann hier auf keinen Fall anhalten. Ich fahre monoton vor mich hin, zähle die Umdrehungen bei den Auffahrten und konzentriere  mich, bei den Abfahrten die Spur zu halten. Hettstedt umfahre ich und bei Quenstedt kann ich das Kapitel  B180 dann zum Glück unbeschadet  abhaken. 

Auf Landstraßen mit deutlich weniger Verkehr geht es weiter über Ermsleben, Reinstedt, Nachterstedt, Gatersleben und Hausneindorf mit seiner großen Burg. 



Selten darf ich mich über einen Radweg freuen, der aber meist nach wenigen Kilometern wieder endet. Bordsteinabsenkungen für einen glatten Übergang sind Mangelware, seit gestern reagiere ich auf holperige Hindernisse empfindlich. Trotzdem ist für mich die heutige Strecke angenehmer zu fahren, wenn sie auch nicht weniger bergig und anstrengend ist.
Vielleicht macht es auch die Abwechslung oder die Tatsache, nicht zu wissen, was einen auf der Strecke noch erwartet.

Unterwegs erfreue ich mich über leckere Äpfel und Birnen, zahlreiche Obstbäume säumen die Straßen.


Die Landstraßen durch die Felder ähneln sich, führen mal mehr und mal weniger steil bergauf und bergab. Da ich hier nicht durch Schotter oder Kopfsteinpflaster ausgebremst werde, komme ich trotzdem gut voran. Ich folge weiter meinen Aufzeichnungen, fahre durch Hedersleben und Rodersdorf.


Kurz vor Wegeleben überquere ich die Bode, der Fluss fließt im Sonnenschein gemächlich vor sich hin. 



In Harsleben komme ich auf die B79, die hier auch über einen Radweg verfügt und kurze Zeit später bin ich in Halberstadt. Halberstadt ist die Kreisstadt des Landkreises Harz und liegt im nördlichen Harzvorland. Die Innenstadt ist am 8. April 1945 durch einen Luftangriff zu mehr als 80 % zerstört worden. Sie wurde über Jahrzehnte wieder oder neu aufgebaut.


In der Fußgängerzone komme ich direkt auf die Martinikirche mit den ungleichen Türmen zu. Inzwischen ist es Mittag durch, ich schiebe ein Stück weiter und finde auf den Treppenstufen der Liebfrauenkirche ein halbschattiges Plätzchen um mein unterwegs gekauftes Mettbrötchen zu essen. Vor mir steht auf der anderen Straßenseite der Dom St.Stephanus und St. Sixtus. Er ist eine der bedeutendsten gotischen Kathedralen Deutschlands.



Nach meiner Pause fahre ich wieder auf die B79, die mich bis nach Braunschweig bringen soll. Die Landschaft ist genauso schön wie gestern, zu meiner Linken  sehe ich in einiger Entfernung die Erhebungen des Harzes, der Brocken ist deutlich zu erkennen. Der Harz, bis ins Mittelalter Hart (Bergwald) genannt, ist ein Mittelgebirge in Deutschland. Er stellt das höchste Gebirge Norddeutschlands dar und liegt am Schnittpunkt von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. 


Der größte Teil meiner Tour führt durch das Harzvorland, das es hier noch so bergig ist, war mir bei der Planung nicht ganz bewusst. 


Die Orte Aspenstedt, Arthenstedt, Dardelsheim und Hessen folgen. Dann stehe ich wieder vor dem denkmalgeschützten DDR-Grenzturm auf dem Hessendamm, einem Teilstück der B79 und bin wenige Radumdrehungen später in Niedersachsen. 


Hier gibt es dann auch wieder einen Radweg. Bergig ist es noch bis hinter Wolfenbüttel – war das auf dem Hinweg auch schon so?


Ich schalte das Navi wieder ein, die Gefahr von Holperpisten oder sonstigen unwegsamen Pfaden ist relativ gering. Kurz vor  Braunschweig führt mein Weg durch den Park von Melverode an der Oker entlang in den Kennel. Bevor ich die letzten 30 Kilometer angehe, mache ich auf einer romantischen Bank am See in der Nähe des Kennelbades die letzte Rast. 



Dann setze ich meinen Weg über Watenbüttel an der B214 bis nach Hause fort. Auf diesem anspruchsvollen Kurztrip bin ich auch aufgrund der hohen Kilometerzahl an meine Grenzen gegangen. Hin- und Rückweg konnten unterschiedlicher nicht sein, beide Strecken haben ihre Vor- und Nachteile. Bei super Wetter konnte ich meine Fitness etwas aufbessern, neue Erfahrungen sammeln und eine wunderschöne Landschaft kennen lernen.




















10.08.16

Wochenende Stover Strand





Wochenende Stover Strand, Drage
06. - 07. August 2016
312 km







Samstag, 06. August 2016
Edemissen - Drage
160 km

An diesem Wochenende möchte ich mit Silja eine Camping-Tour unternehmen. Silja will mit einer Fahrt nach Hamburg  ihre Grenzen austesten, für sie ist es die erste große Tour. Ich möchte mein neues Vaude-Zelt und die Thermarest-Isomatte ausprobieren sowie das Fahren mit Reisegepäck. Gestern Abend habe ich unsere Packtaschen einige Male ein- und ausgeräumt, unwichtiges Gepäck sowie eine zusätzliche wasserdichte Tasche aussortiert um Gewicht zu reduzieren und versucht, alles praktisch zu verstauen. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich zufrieden war. Fahrradurlaub mit Zelt reizt mich schon seit längerer Zeit. Das letzte Mal zelten liegt etwa 25 Jahre zurück, danach war ich der Meinung, so etwas nicht mehr zu brauchen.


Unser Ziel ist der Campingplatz Stover Strand 10 in Drage, direkt an der Elbe vor den Toren Hamburgs. Wir stehen zu unchristlicher Zeit im Dunkeln auf, es ist bewölkt und diesig. Der Wetterbericht verspricht für heute Sonne-Wolken-Mix, vielleicht auch mal einen kleinen Schauer. Der lässt dann auch nicht lange auf sich warten und geht kurz vor unserer Abfahrt prasselnd hinunter. Das fängt ja schon gut an. Um 6.20 Uhr starten wir dann mit günstigem Seiten- bzw. Rückenwind, die Regenjacken liegen gleich oben im Gepäck. 



Bei Naviki habe ich für die Hinfahrt eine Route über Uelzen und Lüneburg geplant. Die Strecke fährt sich gut, ich lerne hinter Uetze einen neuen Weg nach Bröckel kennen, dort überqueren wir die B214, kommen durch das Naturschutzgebiet Bohlenbruch und weitere gut befahrbare Waldstücke, dazwischen fahren wir auf gut ausgebauten Feldwegen. Am Wehr bei Offensen überqueren wir die Aller. 



Das Schloss Eldingen lassen wir links liegen und kommen kurze Zeit später bei Bargfeld am Schmalwasser an einen wunderschönen Rastplatz. Wir haben jetzt mit knapp 50 km etwa ein Drittel der Strecke geschafft und gönnen uns hier die erste Pause. 



Gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg.  Ich lerne viele neue Ortschaften und eine schöne ländliche Umgebung kennen. Zum Glück ist es bisher trocken geblieben und nicht mehr so kühl. 



Dann geht es weiter durch das Naturschutzgebiet Lutter. Neben dem sandigen Hauptweg gibt es hier noch  einen geschotterten Fahrradweg, der sich relativ gut befahren lässt. 


Das alles gehört zur Lüneburger Heide, einer überwiegend flachwelligen Heide- Geest- und Waldlandschaft zwischen der Aller im Südwesten und der Elbe im Nordosten von 
Niedersachsen.


Hier gibt es viele  landschaftlich schöne Radwege, ich habe zugunsten einer kürzeren und schnelleren Strecke die Alltagsroute gewählt, die auch mal an der Straße entlangführt. An der B199 haben wir dann wieder Asphalt unter den Reifen. Die idyllische Ruhe des Waldes wird durch den Lärm vorbeifahrender Autos ersetzt, trotzdem ist der Radweg gut, weil er meist durch eine Baumreihe von der Straße getrennt ist. Nach etwa 13 Kilometern vereint sich in Breitenhees die B4 mit der B199, bis nach Uelzen fahren wir weitere 20 Kilometer auf dieser Straße.


In Uelzen schieben wir durch die Altstadt, hier ist gerade Wochenmarkt. Inzwischen ist es sonnig und Silja zieht ihre langen Klamotten aus. 


Wir machen noch einen Abstecher zum Hundertwasserbahnhof, ich habe ihn schon einige Male bewundern dürfen, für Silja ist er neu.



Während des Aufenthaltes habe ich die Routenführung von Naviki unterbrochen und rufe sie jetzt erneut auf. Irgendwann merken wir, dass wir in die falsche Richtung fahren, ich vermute, Naviki lässt keinen Quereinstieg zu und will uns erst zum Ausgangspunkt (Edemissen) zurückführen bevor die Route neu gestartet wird. Den Umweg wollen wir uns dann doch nicht antuen und ich gebe lieber eine neue Route ein. Wir drehen nochmal eine Ehrenrunde über den vollen Marktplatz und kommen wieder auf die B4, der wir weitere 35 km bis Lüneburg folgen.

Silja zieht tapfer mit, kommt aber langfristig mit ihrem Sattel nicht klar, inzwischen stellen sich bei ihr Schmerzen am Hintern und in den Kniegelenken ein. Wir tauschen die Räder und ich kann nachvollziehen, dass ihr Citybike mit dem antiken Schwingsattel nicht unbedingt für Langstrecken geeignet ist. Kurz vor Lüneburg erwischt uns dann ein Regenschauer, zum Glück ist der Radweg durch große Bäume geschützt, sodass wir kaum nass werden. In Lüneburg machen wir Pause in der Altstadt und essen Pizza, vorsichtshalber unter einem riesigen Sonnenschirm, die nächste Regenwolke ist schon wieder im Anmarsch.




Nach dem Essen kauft Silja sich in der Drogerie gegenüber noch eine Wundschutzcreme für ihren Allerwertesten und verarztet sich auf dem Klo der Pizzeria. Ich bin etwas beunruhigt weil sie außerdem über leichte Hals- und Ohrenschmerzen klagt. Nach der Pause zieht sie die langen Klamotten wieder an, dann machen uns auf das letzte Stück Weg. 


Silja ist sportlich und gut durchtrainiert, trotzdem ist das Sportgerät Fahrrad für sie noch ungewohnt. Nach weit über 100 Kilometern darf auch schon mal was wehtun, wenn dann auch noch ein Infekt im Anmarsch ist, wird die Fahrt zur Belastung. Leider müssen wir weiter, es liegen noch etwa 35 Kilometer vor uns. Um größeren Schaden zu verhindern, präparieren wir den Sattel mit ihrem Kopfkissen und meiner Mullbinde, die ich zum Festzurren von Gegenständen am Fahrrad immer dabei habe. Hier kommt sie mal wieder zum Einsatz und funktioniert prima.


In der Sonne ist es ziemlich warm, schiebt sich eine Wolke davor, wird es frisch. Aber es klärt sich immer mehr auf, die Regenwolken sind verschwunden.


Ich muss schmunzeln wenn ich Silja neben mir herfahren sehe. Mit ihrem gepolsterten Sitz, die Jacke hochgeschlossen und einem dicken Schal um Hals und Kopf gewickelt. Trotzdem hält sie tapfer durch und jammert nicht herum. Dann haben wir es endlich geschafft, nach 160 Kilometern erreichen wir unser Ziel, der Campingplatz liegt vor uns. Für Silja eine tolle Leistung, sie kann stolz darauf sein, die Fahrt von Edemissen nach Hamburg geschafft zu haben, auch wenn sie jetzt etwas angeschlagen ist und keine Jubelschreie ausstößt. Ich freue mich, ohne Pannen und größere Vorkommnisse angekommen zu sein. Für mich keine außergewöhnliche Belastung, mein Fahrrad und ich sind eine Einheit und ich bin noch nicht ausgepowert. Jetzt bin ich gespannt auf die neue Herausforderung „Zelten“. 


Wir bekommen für den günstigen Preis von 8 Euro einen schönen Platz hinter dem Deich direkt an der Elbe. Mit dem Zelt bleiben wir in der Nähe des Sanitärhäuschens, damit wir nachts nicht so weit zur Toilette laufen müssen.


Der Zeltaufbau ist kein Problem und geht schneller wie das Beziehen eines Jugendherbergsbettes. Die Isomatte füllt sich fast von selbst, mit wenigen Atemschüben helfe ich zugunsten eines noch besseren Liegekomforts etwas nach.


Eine wunderschöne rote Abendsonne scheint  zu uns herüber, der Wind hat nachgelassen. Wir schauen uns noch etwas in der Umgebung um aber Silja ist k.o. und will sich nach dem Duschen lang machen. Es dämmert inzwischen und ich begebe mich dann auch zur Ruhe.









Sonntag, 07. August 2016
Drage - Edemissen
152 km


Ich wache vor dem Wecker um 7 Uhr auf, die Sonne scheint aufs Zeltdach und mir wird warm. Auf meiner 5 cm Isomatte liegt es sich hervorragend, ich habe gut geschlafen. Nur der alte Schlafsack war zu warm und nicht optimal, ich werde mir demnächst einen besseren besorgen. Im Waschraum mache ich mit dem Reisetauchsieder Wasser heiß, hole Brötchen vom Campingplatz-Edeka und wir frühstücken draußen im Schneidersitz vor dem Zelt.  


Silja geht es nicht besser, sie wird sich nachher von Max abholen lassen, das heißt, ich mache mich allein auf den Rückweg. Zelt und Isomatte lasse ich da, fahre also mit etwas weniger Gepäck.  Ich wähle einen anderen Weg zurück, über Bispingen und Celle, mal sehen, was Naviki daraus macht.


Heute verspricht es schön und warm zu werden, die Sonne scheint zwischen weißen Schäfchenwolken hindurch. Allerdings werde ich mit Gegenwind rechnen müssen. Ich verlasse den Campingplatz erst gegen 9.30 Uhr und fahre auf ruhigen Straßen, heute am Sonntag hält sich der Autoverkehr in Grenzen.


Ein Stück hinter Winsen/Luhe zeigt ein Radwegweiser nach Salzhausen, Naviki lässt mich einen Weg später abbiegen und führt mich prompt über einen miesen zugewachsenen Waldweg. Wütend erfinde ich ein neues Wort: NVS  (Naviki-Verarscher-Strecke). Die kommt auf fast jeder Route mindestens einmal vor. 


Nach wenigen Kilometern erreiche ich dann mehr schiebend als fahrend die Straße und schwöre mir, nicht wieder auf eine NVS reinzufallen. Bis Bispingen läuft es dann aber gut, ich fahre sogar teilweise auf Straßen ohne Radweg aber mit sehr wenig Verkehr.



Bei Munster passiere ich den Truppenübungsplatz, dann führt der Weg an der Straße weiter über Wietzendorf nach Bergen. Auf meinem Weg liegen hinter dicken Mauern die Kasernenanlagen von Belsen sowie die Gedenkstätte des KZ Bergen-Belsen. Ich verspüre keine Lust auf eine Besichtigung und fahre zügig daran vorbei.


Im nächsten Ort Walle habe ich etwa zwei Drittel meiner Strecke geschafft, hier mache ich dann meine einzige Pause und esse Thunfischbrötchen mit grüner Gurke. Der Rastplatz liegt in der prallen Sonne, inzwischen könnte ich etwas Schatten vertragen. 


In Winsen überquere ich die Aller und hinter Oldau führt mich Naviki auf einem schönen Feldweg, der zwischendurch allerdings zu einer Treibsandpiste mutiert, durch Wald und Heide bis auf die B214 nach Hambühren.


Die Wanderdüne und der Fuhsekanal bei Hambühren liegen auf meiner Strecke. 



Um auf der Bundesstraße zu bleiben, muss ich in Celle das Navi wieder zu Hilfe nehmen, ich will mir in der Stadt keine Umwege einhandeln, immer wieder verfahre ich mich hier. Ich komme am Französischen Garten und am Badeland vorbei und bin wieder auf der B214. Die folgende Strecke kenne ich fast im Schlaf und fahre über Bröckel und Eltze nach Hause.




Trotz überwiegend Gegenwind und nur einer Pause habe ich meine Kräfte gut eingeteilt, ich erreiche Edemissen nach 150 Km in 8 Stunden und 35 Minuten reiner Fahrtzeit um 19.30 Uhr.


Dieses Wochenende hat mir neue Erfahrungen gebracht, sehr viel Spaß und Lust auf Wiederholung gemacht. Zelt und Isomatte bestehen den Test mit Bravur, der Schlafsack sowie die wasserdichte Tasche für den Gepäckträger fallen aus Volumen- und Gewichtsgründen durch und müssen optimiert werden. Mein Reisetauchsieder und Thermosflasche sind für kurze Campingplatzaufenthalte eine platzsparende Alternative zum Kocher. Leichteres, zweckmäßiges Geschirr schaffe ich mir noch an. Außerdem werde ich eine Packliste anfertigen, die nächste Tour dieser Art kommt bestimmt.